24.12.2025
Liebe Beteiligte des Olivenhain-Projekts „Terreno Chiuso Rotondo“
Liebe Olivenöl-Interessierte
Wie üblich, melden wir uns zum Jahresende mit einem Rückblick auf das abgelaufene Erntejahr.
Lange haben wir darauf warten müssen, ein Erntejahr wie folgt zusammenfassen zu können: Es war klimatisch ein völlig entspanntes Jahr ohne irgendwelche Stressmomente. Schon fast langweilig. 😉 Kein Frost im Frühjahr, während des ganzen Jahres immer mal wieder Regen, aber nie übermässig viel auf einmal, kein Hagel. Auch die gefürchtete Olivenfliege war im Herbst nicht stark präsent und konnte gut mit biologischen Mitteln bekämpft werden. Wenn man die Wetterstatistik über das ganze Jahr 2025 studiert, wird allerdings auch deutlich, dass die Durchschnittstemperaturen in fast allen Monaten über dem langjährigen Mittelwert lagen. Klimawandel ist schlicht eine Realität und wir wollen nicht jammern, sondern uns an die neuen Tatsachen anpassen. Für uns bedeutet dies im Speziellen, dass wir auch in diesem «normalen» Jahr unseren Bäumen erneut mit Wässern helfen mussten, um perfekte Oliven produzieren zu können. Im Vergleich zu den Vorjahren haben wir jedoch deutlich später im Jahr damit angefangen und die Wassermenge insgesamt war deutlich geringer als in den vergangenen Jahren.
Auch der ganz normale Rhythmus der Bäume, in gewissen Jahren deutlich mehr oder manchmal auch entsprechend weniger Blüten und später dann Früchte zu tragen als in einem Durchschnittsjahr, war uns im Jahr 2025 wohlgesonnen. Letztlich resultierte daraus ein Jahr, in welchem wir sowohl quantitativ als auch qualitativ eine sehr gute Ernte einfahren durften. Die Oliven waren im Herbst wunderbar gereift und sogar etwas früher als üblich erntereif.
Leider war die Olivenernte nicht überall in Italien so entspannt wie in Apulien, und einmal mehr hatte der Norden weniger Glück. In der Toskana klagten die meisten Produzenten über ganz wenig Oliven an den Bäumen und auch in der Regionen Ligurien, Umbrien und Gardasee hören wir von sehr unterdurchschnittlichen Ernteergebnissen. Viele Produzenten aus dem Norden versuchten darum, in Apulien Oliven zu kaufen, um doch noch «ihr» Olivenöl anbieten zu können, was zu erneut deutlich höheren Olivenpreisen für apulische Oliven führte.
Da bei unserem reinsortigen Coratina bekanntlich null Einfluss genommen wird und sich damit 100% Jahrgangscharakteristik wiederspiegelt, ist das Öl auch für uns immer wieder eine Art Wundertüte. It is what it is! Das 2025-er Coratina hat eine leuchtend hellgrüne Farbe. In der Nase zeigen sich wie fast immer die typischen Noten von frisch geschnittenem Gras und ein Hauch von frischem Rosmarin. Den nächsten Satz können wir bedenkenlos aus dem Vorjahresbericht kopieren. Ein absoluter Coratina-Klassiker, welcher schon in der Nase viel Druck verspricht. Im Gaumen zeigt sich dann jedoch ein deutlicher Unterschied zum 2024-er Coratina. Der Spontanansatz zeigt sofort Schärfe und Bitterkeit in Kombination mit typisch intensiver Grünfruchtigkeit. Nach dem Schlucken kommt es zur stetigen Intensivierung der Schärfe und es bleibt ein langanhaltender, harmonischer und gleichzeitig intensiver Abgang. Insgesamt ist unser 2025-er Coratina ein schon fast elegantes Öl. Was uns darum überrascht hat, waren die vom Labor bestätigten Polyphenolwerte. Unfassbare 957 mg/L Polyphenol sind selbst für uns ein historischer Höchstwert (2024 war mit 885 mg/L schon extrem hoch!) und manch einer würde darum ein extrem herbes, unzugängliches Olivenöl erwarten. Die angesprochene Eleganz will da so überhaupt nicht dazu passen. Eine mögliche Erklärung könnte der praktisch stressfreie Reifungsprozess der Oliven über das ganze Jahr hinweg sein. Viel natürliches Wasser und wenig Temperaturextreme in diesem Ausnahmejahr könnten die Gründe dafür gewesen sein.
Unser 2025-er Cuvée besteht aus 20% Coratina, 40% Ogliarola, 35% Pasola sowie 5% Bella di Cerignola Oliven. Farblich ist es ähnlich hellgrün wie das Coratina, einfach etwas weniger leuchtend. In den letzten Jahren roch unser Cuvée eigentlich immer grün-gemüsig, dieses Jahr jedoch deutlich grün-fruchtig. In der Nase sind deutliche Noten von grünem Apfel und Nuancen von grünen Mandeln und Cicoria präsent. Im Gaumen zeigt sich wieder die herrliche Frische grüner Äpfel gepaart mit einer balancierten Bitterkeit und Schärfe. Im Abgang steigt die Schärfe leicht an und erinnert an frischen Rucola. Insgesamt haben wir es einmal mehr zusammen mit Salvatore geschafft, dem Anspruch unseres Cuvée als «das Harmonische» gerecht zu werden. Die nach der Produktion gemessenen 599 mg/L Polyphenole sind zwar tiefer als beim Coratina, der Wert stellt jedoch dennoch praktisch alle gängigen Olivenöle in den Schatten, was den Gehalt an «Gesundmacher» Substanzen betrifft.
Ähnlich wie beim Wetter blieb es 2025 auch bei unseren Produzenten-Freunden schon fast langweilig. Keine neuen Kinder, keine neuen Hunde, alle Finger blieben dort wo sie hingehörten, also an den Händen. Da bleibt Salvatores 60. Geburtstag im Frühjahr eines der wenigen familiären Highlights und selbst das habe ich, Thomas, ihm dann im Herbst nachgemacht… Ich fürchte, es hat nichts mit meinem neuen Methusalem-Status zu tun, mit welchem ich geehrt wurde, aber erst in diesem Jahr haben wir realisiert, dass der Stadtheilige von Giovinazzo wie heisst? Natürlich, San Tommaso. 😊 Na, wenn das mal kein gutes Omen ist.
Auch dieses Jahr durften wir unser Festa dell’Olio Nuovo in Zusammenarbeit mit Gerstl Wine&Shop in Sempach feiern. Am 12. & 13. Dezember hatten wir so die Gelegenheit, viele von euch persönlich zu sehen, was uns immer sehr freut. Danke euch allen auch für die vielen positiven Feedbacks zu den neuen Ölen und den Komplimenten, welche wir natürlich vor allem an Salvatore und seine Crew weitergeben.
Ein persönliches Highlight am diesjährigen Festa war der Überraschungsbesuch von Thomas Vater. Da kam doch plötzlich der 99-jährige Gropi frisch fröhlich in Begleitung von Tochter Gabi durch die Vinothek an unseren Olivenöl-Stand gestürmt. Ein rührender Moment, ihn zusammen mit seinen Urenkelinnen bei uns am Festa zu haben.
Die Begeisterung für die am Festa aufgetischte «Torta di mele», welche Lara ohne Butter dafür mit unserem Olivenöl gebacken hatte, war derart gross, dass wir das Rezept neu in unsere Rezepte-Bibliothek aufgenommen haben. Wer Lust hat es nachzubacken, hier der Link zum Rezept:
Unsere Beteiligungskunden haben auch dieses Jahr wieder einen «goodie bag» erhalten. Da wir in unserem Garten in Ostuni eine riesige Zitronenernte hatten, seid ihr in den Genuss von hausgemachtem Limoncello oder Zitronengelée gekommen. Danke für die bereits mehrfach eingegangenen Komplimente und sorry, dass wir den Wünschen nach Limoncello-Nachschub nicht nachkommen können. 😊 Mal schauen, wie die neue Zitronenernte wird. Falls wir wieder so überschwemmt werden, müssen wir vielleicht die eine oder den anderen von euch zur Fronarbeit aufbieten, ist nämlich eine «Sau Büez»…
Wir haben übrigens auch schon das Festa dell’Olio Nuovo 2026 zusammen mit Gerstl fixieren können. Wer kommen will, soll sich schon mal den 11. & 12. Dezember 2026 dick in der Agenda eintragen.
Zum Schluss bleibt uns vor allem ein herzliches Dankeschön für eure Treue, eure geteilte Begeisterung für unsere wunderbaren Olivenöle und alle die befruchtenden Begegnungen, welche wir auch im vergangenen Jahr mit euch erleben durften.
Wir wünschen euch allen schöne Festtage und für das Jahr 2026 Glück, Zufriedenheit, vor allem aber Gesundheit und wie immer eine gute Olivenernte. 😉
Herzlichst
Lara & Thomas